...dank Handyflut und mobile money
Bevor ich nach Rwanda gekommen bin, fragte ich mich, wie es mit
Verfügbarkeit des lokalen Geld Abhebens und Bezahlens steht. Ich hatte den Verdacht,
dass es bei den meisten ATMs nicht möglich wäre, VISA Karten zu nutzen. In Kigali – aufgrund von ausgeprägtem Tourismus und Business – ist die
Fragestellung überflüssig durch die Vielzahl an ATMs die alle gängigen Karten
akzeptieren.
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Omnipräsent: airtime-Händler |
Auf ruraler Ebene spielt das ganze eine viel wichtigere
Rolle. Weit abseits der Städte sind ATM eine Seltenheit - und es gibt noch weniger Leute, die überhaupt ein Konto führen. Nicht nur volunteers, auch die locals die weiter abseits ländlich wohnen
brauchen in die nächste Stadt meist ein paar Stunden.
Sie packten die Gelegenheit am Schopf. Die Mobilfunkkonzerne haben
mit aller Kraft das letzte Stückchen unzugängliches Land erschlossen und so teilen
sich in jedem Dorf MTN, Tigo und airtel die Werbeflächen, die einem aufgedrängt
werden – hier ist mobile money
verfügbar.
Das Prinzip funktioniert so: Kommt jemand in einen
Tante-Emma-Laden, kauft Klebstoff, Salz und Waschmittel ein, hat aber
unglücklicherweise nicht mal 100 frw in der Tasche. Was nun? Zur Bank rennen
wäre geradezu albern, stattdessen zückt er sein Handy, tippt die Nummer des
Verkäufers ein und schickt ihm den Einkaufswert zum vertelefonieren.
Berechtigte Frage: Was soll ein einfacher Ladenbesitzer mit airtime / verfügbarem Guthaben – welches ausreichend ist für ein paar Monate, wenn er kein Bargeld hat um neue Waren zu bestellen? Er
geht zum nächsten mobile money agent, zückt wiederrum sein Handy, gibt Nummer
und Betrag und PIN ein, bekommt Bargeld ausgezahlt. Im Austausch dazu
verringert sich sein Guthaben. Macht es einfacher und dermaßen hilfreich.
Dass der Erfolg einschlägt wie eine Bombe, ist nicht weiter
verwunderlich. Handys sind flächendeckend und günstig erhältlich; Banken nicht.
Jeder Rwander (höchstwahrscheinlich sprechend für jeden Bewohner ostafrikanischen
Raums) besitzt eines. Oder auch zwei. Selbst wenn man einem Rwander ansehen kann, dass
er sich vorsichtig ausgedrückt nicht viel leisten kann, häufig hat ein Telefon höchste Priorität.
Müsste man in jeden Ort eine Filiale oder ATM unterhalten,
würde sich das wohl kaum rentieren. Stattdessen gibt es in den kleinsten und
schlecht zugänglichen Ortschaften die money agents, mit deren Hilfe man alles
und jeden bezahlen kann, nur ein registriertes Handy ist vonnöten. Das macht
den Zahlungsverkehr einfacher und darüber hinaus Geldautomaten (fast)
überflüssig. Und es fruchtet nicht nur in Rwanda.
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